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Erlaubst Du Dir wütend zu sein?

Neulich sah ich bei meinem Morgenspaziergang am Berliner Müggelsee diese (offensichtlich mutwillig) zerstörte Bank.

Gerade ein paar Tage zuvor hatte ich meine Freude über die neue Sitzgelegenheit am kleinen Hundestrand, wie er bei den Einheimischen heißt, in den sozialen Medien geteilt. Es scheint einen (oder mehrere) Menschen in unserem Ort zu geben, die unermüdlich darin sind, nach jeder Zerstörung wieder eine neue Bank dort aufzustellen. Ihr lieben Fremden, ich danke Euch sehr dafür.🙏❤️

Groß war mein Erstaunen, dass die Bank dieses Mal keine zwei Wochen gehalten hat.

War es Wut, die hier getobt hat? Oder einfach zu viel Kraft und Energie, die nach Entladung suchte? Wie hätten diese oder ähnliche Emotionen vielleicht aus der Energie der Zerstörung in etwas Sinnvolles (wie zum Beispiel Holz hacken) umgelenkt werden können? Diese und ähnliche Fragen entstanden in mir bei der Betrachtung. Ich teilte meine Gedanken in den sozialen Medien, in dem Wunsch, einen konstruktiven Austausch anzustoßen.

Was ist passiert?

Eine Flut an Wut- und Hasskommentaren zierte meinen Beitrag.

 

Erst war ich entsetzt - gerade dies wollte ich nicht erreichen. Ich fühlte mich nicht verstanden, und auch schuldig, der Wut der Menschen eine Bühne gegeben zu haben.

 

Dann war ich jedoch interessiert. Wie ihr wisst, interessiere ich mich für Menschen in all ihren Facetten. Ich urteile nicht, ich möchte verstehen. Und so kam es zu einen inspirierenden Austausch zum Thema "Wut".

 

Ich teile mit Euch hier meine Top 5 Erkenntnisse zum Thema Wut💢 

  1. Als Kinder haben bereits die meisten von uns gelernt, dass Wut etwas schlechtes ist. Schnell haben wir lernen müssen, das es besser ist, Gefühle wie Wut und Zorn zu unterdrücken, in uns Hineinzufressen. Dies gelingt jedoch nur bedingt. Entweder sucht die aufgestaute Wut sich irgendwann - meist in eher banalen Situationen - einen Kanal und entlädt sich auf sehr heftige Weise, oder wir werden von unterdrückten Emotionen Krank.
  2. Wut ist eine sehr kraftvolle Emotion. Sie zeigt uns sehr deutlich, dass etwas für uns nicht in Ordnung ist, gegen unsere Grundwerte verstößt. 
  3. Im Grunde ist Wut etwas Positives. solange wir uns den Moment des Innehaltens erlauben und Hinschauen, was da in uns verletzt wurde. Das Innehalten kann man Lernen. Das ist der Moment zwischen Reiz (Auslöser der Wut) und Deiner Reaktion. Am besten gelingt dies mit kleinen Tricks. Wenn Du merkst, das Wut in Dir aufsteigt, kannst Du folgendes Tun: langsam und tief ein- und ausatmen oder im Stillen bis 10 zählen. Versuche das gern mal.
  4. Wut und Zorn sind starke Energien. Sie können uns helfen, ein Thema oder auch eine Aufgabe, die wir schon ewig vor uns her schieben, endlich anzupacken. Kennst Du den Begriff "Heiliger Zorn"? Diese Energie ermächtigt Dich, beispielsweise gegen Ungerechtigkeiten vorzugehen, anstatt weiter zu schweigen. Ich lade Dich ein, Deine Wut und Deinen Zorn zu fühlen, Willkommen zu heißen und zu schauen, worauf Dich diese Emotionen hinweisen möchten.
  5. Uns Menschen würde es helfen, die Themen Wut und Zorn aus der Schmuddelecke zu befreien und offen darüber sprechen zu können. So können diese Energien in Positives gelenkt werden, bevor sie sich - durch Scham verdrängt - zu etwas viel zu Großem aufbauen und dann nicht mehr kontrollieren lassen. Darüber zu reden und diese Emotionen anzuerkennen ist Friedensarbeit.
Bank am kleinen Müggelsee bei Sonnenaufgang
Bank am kleinen Müggelsee bei Sonnenaufgang

Du wünschst Dir einen tieferen Zugang zu Deinen Emotionen, möchtest diese besser verstehen oder lernen, einen für Dich guten Umgang damit zu finden?

Melde Dich gern bei mir für ein Kennenlerngespräch.

Andrea Schild

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